Gedanken zum Saisonanfang

Oder: Warum ich trainiere, wie ich trainiere.

Manche fragen sich leise oder auch laut, warum ich auf 6 Km noch immer 2- 3 mal Pause mache und mich bei 8 Grad über zu hohe Temperaturen nerve. Zumindest 4 Km sollten Hunde in der 4. / 5. Trainingswoche doch locker durchlaufen können. Sieht man ja auch in den sozialen Medien und an den Rennen, die jetzt schon stattfinden…
Ja, klar könnten meine das problemlos durchlaufen. Beim durcharbeiten sieht es aber anders aus. Vor allem bei den hier zurzeit vorherrschenden Trainingsbedingungen. Wer genau hinschaut, wird auch erkennt, dass auf den Videos, die jetzt häufig in den sozialen Medien gezeigt werden, ab der Mitte sowohl der Hund als auch die Leine immer stärker schlackert.
An den Rennen wird im Monosport gerne so stark unterstützt, dass der Hund unterwegs kaum mehr ziehen muss und trotzdem häufig komplett am Ende mit durchhängender Leine und schwankend ins Ziel kommt. Ersteres ist natürlich nicht unbedingt etwas Schlechtes, Letzteres hingegen unbedingt.

Nun kommt es aber: Das Ganze nennt sich Zughundesport. Ursprünglich ging es entsprechend mal darum, dass man Hunde Dinge ziehen lassen möchte.

Würde ich meine Hunde etwas schneller laufen lassen, und unterstützen wenn ich merke, dass sie nicht mehr so spritzig sind oder den leichten Anstieg nicht mehr schaffen, würden wir die 6 Km auch bereits durchfahren. Die Hunde würden aber auch schnell auf die harte Tour lernen, dass sie sich selbst zurücknehmen müssen, sobald sie etwas müde werden, weil es sonst sehr unangenehm wird für Körper und Kopf. Irgendwann wüssten sie dann auch, dass sie ohne gross zu arbeiten zu einer angenehmen, lockeren Ausfahrt kommen. Damit hätte ich mir dann solche Hunde herantrainiert, die nur richtig ziehen, wenn die Mondkonstellation stimmt, Wild den Weg gekreuzt hat oder ein anderes Team voraus fährt.

Lernen sie es nicht, weil die Genetik einfach zu stark kickt, gefährde ich in jedem einzelnen Training ihre Gesundheit und womöglich ihr Leben!

Um jetzt also längere Schlitten- und Wagentouren machen zu können, bin ich auf konstant und hart arbeitende, sowie mental starke Hunde angewiesen. Dies erreiche ich, indem ich meine Hunde zwar hart arbeiten lasse, aber mit den Pausen und der Streckenlänge gleichzeitig auch dafür sorge, dass sie nie an den Punkt kommen, in dem sie sich zu ihrem eigenen Schutz aus der Arbeit nehmen müssen.
Meine Hunde sollen sich darauf verlassen können, dass ich die Rahmenbedingungen so einschätze, und ihre Kräfte so einteile, dass es für sie aufgeht.
Tempotraining und ggf. Unterstützung – also auch Rennen fahren – sollten auch für kurze Sprintrennen und bei Hunden die vermeintlich problemlos 4 Km auf Zug durchlaufen, erst nach einem sorgfältigen Aufbau von Kraft und Kondition kommen.
Erst, wenn ausreichend an der Grundlage gearbeitet wurde, sind die Strukturen des Körpers und auch der Kreislauf wirklich bereit dafür in höherem Tempo oder über weite Distanzen auf Zug zu arbeiten, ohne langfristig Schaden zu nehmen! Das gilt im Besonderen auch für Hunde die ihre erste Saison im Geschirr laufen.

Was ich euch für die anstehenden Rennen mit auf den Weg geben möchte: Die besten Fahrer:innen sind nicht zwingend die, welche am Schluss zuoberst auf dem Podest stehen, sondern diejenigen, die ihre Hunde so trainieren und fahren, dass sie es am Schluss noch auf Zug und mit Restenergie für einen Schlusssprint ins Ziel schaffen. Auch wenn das bedeutet, dass man am Rennen Tempo rausnehmen und ggf. Intervallpausen einlegen muss.

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